Positive Signale vom Land Burgenland

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  • Die Initiative "Das ist unser See" wie auch wir "Freunde des Neusiedlersees" suchten am 21.3. das Gespräch mit Landesrätin Mag. Astrid Eisenkopf um für unsere Anliegen einzutreten. Anwesend waren auch DI Hannes Klein (Geschäftsführer Verein Weltkulturerbe Neusiedler See) und Mag. Peter Zinggl (Ltg. Hauptreferat Landesplanung). Wir erfuhren, dass unsere Gesprächspartner bereits an der Umsetzung konkreter Pläne arbeiten:

    Ein neuer Management Plan für das Welterbe wurde ebenso in Aussicht gestellt, wie ein Masterplan für den Neusiedler See. Ziel sei die Ausarbeitung von Konzepten für Naturschutz und Tourismus, die sodann auch in rechtsverbindliche Normen münden sollen. Angestrebt sei Bürgerbeteiligung, wie auch Einbezug von Natur- und Umweltschutzorganisationen. In einigen Wochen, bzw. Monaten würden entsprechende Maßnahmen und weitere Schritte verlautbart, Fertigstellung der Konzepte sei innerhalb der nächsten 2 Jahre beabsichtigt.

    Damit wurden bereits viele Forderungen und Kritiken vorweggenommen, die in einem von der Initiative "Das ist unser See" mit unserer Unterstützung ausgearbeiteten Leitbild im Laufe des Gesprächs überreicht wurden:
    Leitbildformulierung von "Das ist unser See" und "Freunde des Neusiedlersees"

    Der Neusiedlersee benötigt ein Leitbild
    Unser Vorschlag für ein Leitbild für die regionale Entwicklung rund um den Neusiedlersee:
    • Der Neusiedlersee ist der bedeutendste, im westlichen Teil der pannonischen Tiefebene gelegene Steppensee Mitteleuropas. Er bildet zusammen mit dem Seewinkel und Hansag eine unverwechselbare und deshalb einzigartige Natur- und Kulturlandschaft. Diese ist charakterisiert durch einen - von menschlichen Bauten weitgehend ungestörten - tiefen Horizont, der sich unmittelbar über der Wasseroberfläche sowie über dem Schilf erhebt.
    • Dieser See ist ein Naturjuwel, dessen traditioneller Charakter erhalten werden muss, heute und auch in Zukunft. Nicht nur seiner selbst willen, sondern wegen seiner vielfältigen Ökosystemleistungen. Eine davon ist die Erholungsleistung, die allen Menschen zugänglich bleiben muss.
    • Eingriffe in diese „Fünfsterne“-Landschaft haben sich dieser anzupassen. Bauten am und im Schilfgürtel sowie insbesondere jene an der Wasserlinie haben sich, an traditionelle Bauweisen anknüpfend, in Höhe, Volumen, Gestalt, Material und Farbe dem Seecharakter unterzuordnen.


    Unsere Kritik an der derzeitigen Situation

    Die bestehenden Managementpläne für den Neusiedlersee sind in den heiklen Bestimmungen interpretationsfähig und besitzen lediglich Empfehlungscharakter. Ein wichtiger bestehender Managementplan ist das Dokument „UNESCO Welterbe Ferto-Neusiedler See Kriterien für das Bauen im Welterbe“ aus dem Jahr 2011, der einen Gestaltungsbeirat zur Beurteilung von Projekten am See vorsieht.

    Leider ist die Teilnahme von NGOs (z.B. ICOMOS, Naturschutzorganisationen) oder lokalen Umweltinitiativen in diesem Gestaltungsbeirat nicht vorgesehen. Wer bei einem konkreten Projekt namentlich im Gestaltungsbeirat sitzt, und wie die Beurteilung eines Projekts durch den Beirat aussieht, ist für die Öffentlichkeit nicht transparent. Inwieweit die Empfehlungen des Gestaltungsbeirats in der Vergangenheit auch umgesetzt wurden, ist ebenfalls nicht bekannt.

    Die von „Alliance For Nature“ erstellte Dokumentation „ICOMOS Heritage Alert UNESCOWelterbe-Kulturlandschaft Fertő – Neusiedlersee“ zeigt jedenfalls, dass das Konzept des Gestaltungsbeirats nicht verhindern konnte, dass am Nordufer des Neusiedler Sees einige Siedlungen mitten im Schilf entstanden sind (vor allem in Neusiedl, Weiden, Jois). Dazu kommt, dass das Wohnverbot im Schilf nicht konsequent exekutiert wird.


    Unsere Forderungen
    • Rechtsverbindliche Schutzziele und -maßnahmen in einem zu entwickelnden regionalen Managementplan für den gesamten Neusiedlersee und dessen Umgebung, um
      insbesondere zu verhindern, dass am Schilfrand und im Schilfgürtel neue Immobilien entstehen und bestehende vergrößert werden, so sich diese nicht dem Charakter der Landschaft unterordnen (beispielsweise könnte ein Mindestabstand zwischen Neubauten und dem Wasser von x Metern festgeschrieben werden, Verbot von neuem Privatbesitz zu Wohnzwecken am Seeufer)
    • zu gewährleisten, dass die bestehende Infrastruktur (wie Zufahrten, Parkplätze) nicht vergrößert wird
    • zu gewährleisten, dass die vorhandenen Seebäder, Restaurants und Hafenanlagen so revitalisiert und weiterentwickelt werden, dass sie heutigen Ansprüchen der Gäste und Besucher des Sees genügen, ohne dass der Charakter des Sees beeinträchtigt wird (beispielsweise durch Richtlinien für ökologisches und naturnahes Bauen).
    Bei der Entwicklung eines solchen Managementkonzepts ist nach dem Motto „aus Betroffenen Beteiligte machen“ vorzugehen. Die betroffenen Gemeinden, die Landesregierung, die Grundeigentümer sowie engagierte NGOs und Bürgerinitiativen sind in den Entwicklungsprozess einzubeziehen. In diesen regionalen Managementplan sind die Ziele und Bestimmungen internationaler und nationaler Schutzkategorien (Weltkulturerbe, Ramsar Konvention, Natura 2000, etc) zu integrieren.

    Darüber hinaus sind die Bestimmungen des internationalen „Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“ und deren UNESCO-Welterbe-Richtlinien in den Rechts- und Verwaltungssystemen (Gesetze, Verordnungen) derart zu verankern, damit der Schutz und die Erhaltung (in Bestand und Wertigkeit) des Welterbes „Kulturlandschaft Fertő/Neusiedlersee“ gemäß Beschluss Nr. 772 Rev. des Komitees bei seiner 25. Sitzung vom 11. bis 16. Dezember 2001 (BGBl. 2008 III 94) und dessen Weitergabe an künftige Generationen tatsächlich gewährleistet sind.

    Im regionalen Managementplan muss auch dessen Erfolgskontrolle verankert werden. Nur so kann die Umsetzung der Schutzmaßnahmen gewährleistet werden.

    Bis ein solcher Managementplan existiert ist ein Baustopp für alle Projekte im Schilfgürtel
    des Neusiedlersees auszusprechen.


    Mag. Eisenkopf, DI Klein und Mag. Zinggl ergriffen damit bereits Initiative und lassen durch ihr persönliches Engagement hoffen, dass weitere Gefährdungen der Region Neusiedlersees nicht zu befürchten sind. Inwieweit die bestehenden damit eindämmbar sind, wird sich zeigen.

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