RAMSAR-Gebiet Neusiedler See in Gefahr! Kommt das Feuchtgebiet auf die „Rote Liste“?

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  • Gestern waren wir Podiumsgast bei einer Pressekonferenz anlässlich des Weltfeuchtgebietstages 2018 um wieder auf die Wichtigkeit des Schutzes unseres Ökosystems und der Landschaft unseres Sees aufmerksam zu machen. Die Pressekonferenz stand im Zeichen der RAMSAR-Konventionen, einer internationalen Schutzvereinbarung für Feuchtgebiete. Am Podium waren:
    • Wolfgang W. PELIKAN
      Vorsitzender des Nationalen RAMSAR-Komitees
    • Doris RIEDL
      Mitbegründerin der Bürgerinitiative „Das ist UNSER See
    • Rudolf GOLUBICH
      Obmann des Vereins „Freunde des Neusiedlersees“
    • Christian SCHUHBÖCK
      Generalsekretär der Landschaftsschutzorganisation „Alliance For Nature
    Der Neusiedler See ist seit 1983 eines von 23 Welt-Feuchtgebieten in Österreich (sog. RAMSAR-Gebiete) und gerät infolge kapitalorientierter Interessen und ImmobilienSpekulationen zunehmend unter Druck. Im geschützten Schilfgürtel werden Bauten hochgezogen und Projekte betrieben, die 1983 nicht genehmigt worden wären. Dadurch wird nicht nur der traditionelle Charakter des Sees verändert (offenes Wasser, breiter Schilfgürtel und ein von auffälligen Bauten ungestörter tiefer Horizont), sondern das Feuchtgebiet internationaler Bedeutung auch als Lebens- und Kulturraum für Tier und Mensch gefährdet. Wird die Verbauung nicht ehebaldigst gestoppt, könnte das RAMSAR-Gebiet „Neusiedler See und Lacken im Seewinkel“ schon bald auf die „Rote Liste“ gesetzt werden. Folgende Pressemitteilungen wurden herausgegeben:

    Nationales RAMSAR-Komitee

    „Vorrang für den Schutz des Neusiedler Sees!“
    Der langfristige Schutz des Neusiedler Sees als charakteristische Landschaft sowie der freie Zugang zu naturbelassenen Zonen am See haben Vorrang vor kurzsichtigen Wirtschaftsinteressen! Aktuell sei wichtig, den Schilfgürtel vor umstrittenen Bauten zu schützen. Dies erklärte heute in Wien der Vorsitzende des Nationalen Komitees zum Schutz der Feuchtgebiete in Österreich, Dipl.Ing. Wolfgang Pelikan in einem Pressegespräch anlässlich des Welt-Feuchtgebiets-Tages 2018 . Im Burgenland sei schon viel für den Schutz des Neusiedler Sees geschehen, insbesondere durch die Ausweisung des Neusiedler Sees als Europaschutzgebiet. Ergänzend sollte als Basis für konsequentes behördliches Vorgehen für diese sensible Region ehestmöglich ein rechtsverbindlicher Managementplan mit klarem Leitbild und eindeutigen Formulierungen verordnet werden. Mit diesem Instrument sollte es möglich sein, seinen ursprünglichen Charakter zu erhalten, der den See so unverwechselbar macht.

    Landschaft dominiert, Bauten sollen sich unterordnen
    Noch vor einer Geneneration wurden nur ausnahmsweise Holzbauten mit kleinen Fenstern genehmigt, die sich der See-Landschaft unterordnen. Heute dominieren den Schilfgürtel da und dort selbstgefällige, mit Beton und Glas errichtete Bauten. Pelikan: "Derlei Anlagen und Projekte stellen eine mißverstandene "zeitgemäße Interpretation" traditioneller Bauweisen im Schilfgürtel dar." Er nennt in diesem Zusammenhang die von der Stadtgemeinde zu verantwortenden Bauten beim Seebad Neusiedl am See sowie ein Esterhazy-Projekt im Seebad Breitenbrunn. Auch in den Gemeinden Illmitz, Weiden/See, Jois, Purbach, Oggau und Rustgäbe gäbe es fragwürdige Entwicklungen im Schilfgürtel. Pelikan: „Das Ramsar-Gebiet ist gefährdet, wenn im Schilfgürtel weitere Umwidmungen, Anschüttungen, Baumaßnahmen, Lärm- und Lichtemissionen sowie Bodenversiegelung zugelassen werden. Der Neusiedler See läuft dadurch Gefahr, dass ihm der Status eines Weltfeuchtgebietes aberkannt wird“. Diese internationale Auszeichnung besitzt der Neusiedler See seit 1983 sowie grenzüberschreitend seit 2009.

    Die RAMSAR-Konvention
    zum Schutz von wassergeprägten Feuchtgebieten und den dort lebenden Pflanzen und Tieren, insbesondere Zugvögeln, wurde 1971 in der iranischen Stadt Ramsar begründet. Ihr sind inzwischen fast alle Staaten der Welt beigetreten. Es gibt weltweit etwa 2200 „Ramsar-Gebiete“ - das sind Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung - mit insgesamt ca. 2 Mio. km². Das entspricht der 25-fachen Fläche von Österreich. In Österreich wurden bislang 23 Ramsar-Gebiete ausgewiesen, der Neusiedlersee mit etwa 44 km². Ramsar-Gebiete genießen keinen gesetzlichen Schutz, wie dies in Naturschutzgebieten der Fall ist. Sie leben vielmehr von der moralischen Wertschätzung der Bevölkerung und von schonender Nutzung („wise use“). Es handelt sich dabei um „Fünf-Sterne“Landschaften. Diese Auszeichnung kann nach einem negativ verlaufenen Konsultationsprozess auch wieder aberkannt werden. Bevor ein Ramsar-Gebiet den ehrenvollen und – z.B. für Tourismus und Weinbau - werbewirksamen Platz auf der „Liste international bedeutsamer Feuchtgebiete“ verliert, wird es auf eine Liste gefährdeter Gebiete gesetzt. In dieser Phase überprüfen internationale Experten den Zustand des Welt-Feuchtgebietes und die
    Chancen auf Wiederherstellung des ursprünglichen Charakters.


    Alliance For Nature

    Anlässlich des „World Wetlands Day 2018“ (am 2.2.2018) warnen Bürgerinitiativen und „Alliance For Nature“ vor der Verbauung des Neusiedler Sees, der gemäß internationalem „Übereinkommen über Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel, von internationaler Bedeutung“ (Ramsar-Konvention) im Jahr 1983 in die „Liste international bedeutender Feuchtgebiete“ (auch Ramsar-Gebiete genannt) aufgenommen wurde.

    Die anerkannte Umwelt- und Landschaftsschutzorganisation „Alliance For Nature“ wurde beauftragt, eine Dokumentation über Bauprojekte zu erstellen und kam zum Schluss, dass in vielen Gemeinden rund um den Neusiedler See (z.B. in Breitenbrunn und Neusiedl am See) Projekte geplant bzw. bereits in Realisierung sind, die weit in den Schilfgürtel bzw. freie Wasserfläche des mehrfach geschützten und grenzüberschreitenden Steppensees reichen.

    Der Neusiedler See ist als eines der bedeutendsten Vogelreservate Europas
    • Landschaftsschutz- und Teilnaturschutzgebiet seit 1977
    • UNESCO-Biosphärenreservat seit 1977
    • Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung gemäß Ramsar-Konvention seit 1983
    • Nationalpark seit 1993
    • Natura-2000- und Europaschutz seit 1996
    • grenzüberschreitendes UNESCO-Weltkulturerbe seit 2001.
    „Die geplanten Bauprojekte beeinträchtigen den Neusiedler See als international bedeutenden Lebensraum für die an diesem mehrfach geschützten Steppensee beheimateten Wat- und Wasservögel“, warnt Alliance-Generalsekretär Christian Schuhböck, Gerichtssachverständiger für Naturschutz und Landschaftsökologie.
    Sollten die umstrittenen Projekte tatsächlich realisiert werden, droht eine Eintragung in das sogenannten „Montreux-Register“, einer Roten Liste von Ramsar-Gebieten, an denen Veränderungen des ökologischen Charakters eingetreten sind oder eintreten werden.

    Rückfragehinweis:
    ALLIANCE FOR NATURE
    Generalsekretariat
    A-1160 Wien, Thaliastraße 7
    Tel.: +43 676 419 49 19
    www.AllianceForNature.at


    Das ist unser See

    Der Neusiedlersee ist aufgrund seiner Schönheit und Lage ein Tourismus-Magnet. Beginnend in den 60er Jahren sind rund um den See touristische Einrichtungen wie Seebäder, Häfen, Restaurants etc entstanden, aber auch zahlreiche Ferien- und Sommerhäuser, besonders am Nordufer des Sees (Neusiedl, Jois, Weiden, Podersdorf, Breitenbrunn). Seegrundstücke bzw. seenahe Wohnmöglichkeiten werden in Österreich immer knapper, andererseits gibt es auch immer mehr Menschen, die zum Wasser drängen und auch bereit sind, dafür ordentlich Geld auszugeben. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung besteht die große Gefahr, dass auch am Neusiedlersee unter dem Deckmantel des Tourismus Immobilienentwicklungsprojekte entstehen. Dabei ist festzuhalten, dass es bereits ein geltendes Verbot des ganzjährigen Wohnens am See gibt! Dieses wird jedoch durch findige Hotelprojekte umgangen, indem Investoren angeblich Hotelanteile kaufen, in Wahrheit aber ihr Eigenheim im Schilfgürtel. Ein erstes Beispiel dafür ist das Projekt „Am Hafen“ in Neusiedl, für das mit der Möglichkeit des ganzjährigen Wohnens direkt am See geworben wird.

    Immobilienprojekte unter dem Deckmantel der Tourismusförderung, Quadratmeterpreise von 8.000,bis 10.000,- Euro sowie die Verfügbarkeit von Speed-Elektrobooten sind der Motor für eine Entwicklung, wie sie der Wörther See schon erleiden musste und nun dem Neusiedlersee droht. Eine Entwicklung, die JETZT gestoppt werden muss. Daher ein NEIN zum ganzjährigen Wohnen am See, ein NEIN zu privaten Wohn-Immobilien am Seeufer.

    Für den Neusiedlersee ist ein sanfter, nachhaltiger Tourismus unter Bewahrung einer alten Kulturlandschaft zukunftsweisend. Der See soll für alle Menschen zugänglich sein und trotzdem sein typisches Flair behalten. Daher ein NEIN zu Hotelbauten direkt am Seeufer, ein NEIN zu Appartementbauten am Seeufer, aber ein JA zur Revitalisierung bestehender Infrastruktur. Dies kann nur erreicht werden, indem einzelne (Kapital)Interessen hintangestellt werden und ein überregionales Leitbild für den See samt rechtsverbindlicher Regelwerke entwickelt wird. Hierzu wollen wir einen Beitrag leisten.

    Der Neusiedlersee soll „Unser See“ bleiben, einfach zugänglich für die Gäste, die die Natur und die Ruhe schätzen, erschwinglich für Familien und Wassersportler. Kein privater „Schickimicki-Treff“ weniger Privilegierter mit der Yacht auf einer Seite der Villa und der Garage auf der anderen Seite.

    Der Verein Bürgerinitiative „Das ist unser See“ engagiert sich dafür, die Schönheit des Sees zu erhalten und der Natur ausreichend Raum zu geben. Daher unterstützen wir alle Bestrebungen zur Umsetzung
    der Richtlinien der RAMSAR-Konvention.


    Freunde des Neusiedlersees

    Unser vorrangigstes Interesse ist der Schutz des uns amHerzen liegenden Natur- und Kulturraumes. Der Charakter und die im Laufe derGeschichte entstandenen Traditionen, die Kultur und der Baustil unserer Region dürfennicht aufgrund kapitalorientierter Entwicklungen verloren gehen.

    Die anstehenden Pläne und Entwicklungen um den See sehen wirdiesem Interesse entgegenstehend und haben daher im November letzten Jahresformal einen „Heritage Alert“ mit Zusendung einer Dokumentation an ICOMOSInternational in Paris eingeleitet. Nichtnur der Titel „UNESCO-Weltkulturerbe“ wird riskiert, auch ist der See ein,durch die RAMSAR-Konventionen geschütztes Feuchtgebiet. Diese Schutzkategorie könnteebenso durch die voranschreitenden Entwicklungen gefährdet sein.

    Wir sprechen uns für die Erstellung einesrechtsverbindlichen Managmentplanes – im Sinne eines Leitbildes - unterEinbezug aller vorhandenen Interessen, vordringlich aber dem Erhalt allerSchutzziele aus. Für die weitere Entwicklung muss durch Natur- und Kulturschutzein Rahmen vorgegeben werden, der den Anrainern und ansässigen Communities zuGute kommt, anstatt sie gegenüber großen Investoren zu benachteiligen.


    Wir nahmen diesen Weltfeuchtgebiete-Tag auch zum Anlass unser Homepage-Design zu erneuern und präsentieren uns nun in den Farben unseres Sees. Das Hintergrundbild wurde von Markus Stermeczki (Locker Baumeln) im Rahmen eines von uns finanzierten und durchgeführten Fotofluges geschossen.

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