Pressepapier zur Schifffahrt am Neusiedler See am 25.9.2019

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  • “Österreich und Ungarn sollen endlich internationale Verpflichtungen erfüllen!”



    Die beiden Vereine „Fertő tó barátai“ mit Sitz in Sopron/Ödenburg und „Freunde des Neusiedler Sees“ mit Sitz in Neusiedl am See haben heute zu einer Pressefahrt am Neusiedler See eingeladen. Unmittelbarer Anlass war das geplante Megaprojekt am Fertő nahe Fertőrákos. Bei der Gelegenheit wurde auch Kritik an der “Goldgräberstimmung” in den burgenländischen Seebädern sowie im Schilfgürtel geübt. Denn dadurch wird der Naturraum zunehmend beschädigt. Österreich und Ungarn haben ihren Verpflichtungen zum Schutz und zur Erhaltung des Welterbes „Fertő – Neusiedler See“ nachzukommen. Sonst bestehe die Gefahr, dass der See seinen Status als international geschützter Natur- und Kulturerbe verliert.







    Rudolf Golubich von den „Freunden des Neusiedlersees“ musste leider feststellen, dass die burgenländische Politik sich bisher als unfähig erwies, der Immobilienspekulation Einhalt zu gebieten. Allen Bemühungen zum Trotz schreite die Uferprivatisierung voran, wie an den Seevillen des Projektes „Am Hafen“ in Neusiedl/See und am Ausbau der Inselwelt in Jois zu sehen ist. Die wenigen wirklich touristischen Projekte, namentlich die geplanten Hotels in Neusiedl, Illmitz und Breitenbrunn, seien nicht mit der uns gewohnten Idylle in Einklang zu bringen. Hier finde auf Kosten aller nachfolgenden Generationen eine finanzielle Ausschlachtung unseres Weltkulturerbes statt. Dass in Anbetracht solcher Inkonsequenz auf österreichischer Seite auch in Ungarn gleiche Ansätze in den Vordergrund rücken, dürfe nicht verwundern. Das Mindeste, was die Politik tun sollte, sei von sämtlichen weiteren Bewilligungen irgendwelcher Bauprojekte auf touristisch gewidmetem Grund abzusehen, bis der „Masterplan für den Neusiedlersee“ in Kraft getreten ist. Daher unterstützen die „Freunde des Neusiedlersees“ die Resolution der „Alliance For Nature“ zum Schutz des Neusiedler Sees und die Forderung nach einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung.

    Wolfgang Pelikan, Vorsitzender des Nationalen RAMSAR – Komitees, konstatierte ebenfalls wachsende bauliche Eingriffe in die sensible Landschaft des grenzüberschreitenden Feuchtgebietes Neusiedler Sees. Zwar wären die geduckten hölzernen Pfahlbauen im Schilfgürtel, wie etwa jene in der Ruster Bucht, noch als Beispiel für „wise use“ zu bezeichnen, die aktuellen Beton- und Glasbauten stellen jedoch eindeutig „over use“ dar. Diese widersprechen den Zielen der internationalen Ramsar-Konvention. Der Status des Neusiedler Sees – Fertő als international bedeutsames RAMSAR–Gebiet sei in Gefahr. Weil in dieser Frage unterschiedliche Meinungen vertreten werden, bedürfe es eines international anerkannten, beratenden „Schiedsrichters“. Dieser Konsultationsprozess (“Ramsar Advisory Mission” [RAM]) müsse mit einem Antrag an die RAMSAR Zentrale in Gang gesetzt werden. Antragsteller müsste in diesem Fall das Land Burgenland sowie die Republik Ungarn sein.Er habe bereits der für Naturschutz im Burgenland zuständigen Landesrätin vorgeschlagen, eine “RAM” zu beantragen.

    Zoltan Kun von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt hat eine offizielle Beschwerde bei der Natura-2000-Abteilung der Europäischen Kommission eingereicht und versucht derzeit, direkt in Brüssel den Rechtsweg zu eröffnen.

    Gyula Major vom Verein „Fertő tó barátai“ merkt an, dass in Ungarn bei Großinvestitionen die Interessen der Machthaber dominieren. Um den Interessen der Anrainer zu Gehör zu verhelfen, müsse in einer engagierten zivilen Bewegung die Zusammenarbeit Anrainergemeinden und zuständigen Behörden forciert werden. Natur- und Umweltschutz muss eine Herzensangelegenheit von uns allen sein. Daher sollten nur Investitionen im Sinne eines nachhaltigen Tourismus bewilligt und getätigt werden. Die bestehende Bebauung mit schilfgedeckten Holzhäusern als Teil der Kulturlandschaft müsse erhalten werden und die künftige Bauweise sollte sich an dieser Bestehenden orientieren. Also vermehrte Verwendung von natürlichen Baustoffen, wie Holz und Schilf. Der Einsatz von Beton und Glas müsse minimalisiert werden, Hotels und Ferienhäuser sollten nur außerhalb des Gebietes des Welterbes gebaut werden.Mit einer Fortsetzung der Guten Zusammenarbeit der ungarischen und österreichischen Initiativen können starke Schritte gesetzt werden. Daher unterstützen die „Fertő tó barátai“ die „Resolution zum Schutz des Neusiedler Sees vor weiterer Verbauung“.

    Christian Schuhböck, Generalsekretär der Natur- und Landschaftsschutzorganisation „Alliance For Nature“, verfasste die „Resolution zum Schutz des Neusiedler Sees vor weiterer Verbauung“ mit der Forderung nach einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP); sie wurde von mehreren Organisationen mitunterzeichnet und soll demnächst den politischen Verantwortlichen des Bundes und des Landes Burgenland übermittelt werden. Denn eine UVP mit Beteiligung Österreichs wurde bislang noch nicht durchgeführt. Nach Ansicht des Gerichtssachverständigen für Naturschutz hat die Republik Österreich einen entsprechenden Antrag gemäß Artikel 7 Absatz 1 der europäischen UVP-Richtlinie an die Republik Ungarn zu stellen. Erst dann ist Ungarn auch verpflichtet, Unterlagen zum touristischen und mittlerweile heftig umstrittenen Großprojekt in Fertőrákos Österreich zur Verfügung zu stellen. Und nur dann könne auch eine grenzüberschreitende UVP erfolgen. „Sollte die Verbauung des Neusiedler See weiter voranschreiten, besteht für beide Vertragsstaaten der UNESCO-Welterbe-Konvention die Gefahr, dass die Kulturlandschaft Fertő – Neusiedler See auf die Rote Liste gefährdeter Welterbestätten gesetzt wird, wie dies Österreich im Zusammenhang mit einem Hochhaus-Projekt in der Bundeshauptstadt Wien bereits widerfahren ist“, konstatiert der Landschaftsökologe und Welterbe-Sachverständige.

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